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Das Stagepiano KORG SP-200 ist ein grundsolides Klavier für alle Zwecke ohne jeglichen Schnickschnack. Es kam im Jahr 2001 in wahlweise schwarzer oder champagnerfarbener Optik als Nachfolger des SP-100 auf den Markt und durch-
lebte im Laufe der Jahre verschiedene Metamorphosen. So gab es ein limitiertes blaues Sondermodell oder kurzzeitig das SP-300 und längerfristig das SP-250 mit integrierten Lautsprechern, sowie das LP-350 mit stabiler Holzverkleidung. Die Modelle haben ansonsten allesamt die gleichen Sounds und Funktionen.

Fangen wir mit der Tastatur an, die neben dem Klavierklang das wichtigste für den Pianisten ist. Das SP-200 besitzt 88 hammergewichtete Tasten, welche der Ge-
wichtung eines echten Klaviers gut nachempfunden sind. Ich persönlich finde die Gewichtung für meine Spielweise zwischen Jazz und Rock optimal, jedoch könnte sich ein klassischer Klavierspieler unter Umständen eine etwas härtere Gewichtung wünschen. Aber Hand aufs Herz: seit wann stellt KORG Instrumente für Klassik-
Fans her? Ich finde die Tastatur jedenfalls super und die Tasten sind aus sehr kratzresistentem Material gefertigt, was bei anderen Markenherstellern nicht un-
bedingt üblich ist. Auch nach hunderten Glissandi sieht meine noch aus wie neu.

Die Klavierklänge sind sehr überzeugend und ausdrucksstark. Von pianissimo bis fortissimo gefallen sie mir äußerst gut. Die Samples sind, gemessen am Erschei-
nungsdatum des SP-200, ziemlich lang und leiern nicht schon nach kurzer Aus-
schwingzeit herum, wie bei vielen anderen Pianos gleichen Datums. Es sind auch sehr viele Samples auf die ganze Tastatur verteilt, so dass man bei den meisten Klängen ein sehr gleichmäßiges und natürliches Tonbild hat.

Etwas schade ist, dass die vier "Grand Piano"-Klänge auf den gleichen Samples basieren. So gibt es neben der Mono-Version drei Stereo-Versionen in dumpf, normal und brillant. Möglicherweise wäre hier ein Brillanzregler zweckdienlicher gewesen oder besser noch eine Equalizer-Einstellung die pro Klangfarbe hätte gespeichert werden können. Dann wäre Platz für weitere Akustikpiano-Modelle gewesen. Hätte, wäre, wenn... Für 2001 ist das schon erste Sahne! Und mittler-
weile gibt es ja Stagepianos von KORG, wie das SV-1, die eine größere Klang-
vielfalt bieten - allerdings zu einem deutlich höheren Preis!

Ein Honky-Tonk-Piano gibt es auch, falls man Western-Saloon-Ambiente braucht. Desweiteren gibt es sieben (!) E-Pianosounds, die vom klassischen Wurlitzer-Typ über diverse Rhodes-artige Klangfarben bis zur originalen E-Piano-Wellenform des KORG DW-8000 reichen. Diese Klangfarben sind größtenteils sehr authentisch und absolut brauchbar. Der Cembalo-Sound ist ebenfalls sehr wirklichkeitsgetreu, sowohl vom generellen Klangbild, als auch von den typischen Nebengeräuschen beim Loslassen der Tasten. Diese Geräusche ertönen ebenso beim Spiel mit dem Sustainpedal, was bisher nicht jedem Hersteller gelungen ist.

Leider ist es beim SP-200 nicht möglich, die Anschlagdynamik komplett zu de-
aktivieren. Bei den Cembalo- und Orgelklängen ist ebenfalls nur das Spiel mit der Anschlagdynamik möglich, was zwar die Authentizität herabsenkt, das Spiel hingegen auch wieder nuancenreicher macht. Aber man kann dies natürlich mit einem einfachen Keyboard oder Synthesizer über die MIDI-Schnittstelle umgehen.

Zwei Clavinet-Sounds runden das E-Piano-Angebot ab. Es tönt nicht ganz im Hohner D6-Stil, aber der Sound ist schön funky, besonders der zweite mit Auto-Wah-Effekt. Der Effekt ist übrigens direkt im Sample enthalten und nicht separat wie Chorus und Hall.

Idiophone sind mit Vibraphon und Marimbaphon ebenfalls an Bord. Beides klingt ziemlich gut, wobei für meinen Geschmack die Stimmung des Marimbaphons ein klein wenig unsauber ist. In der gleichen Programmgruppe befindet sich auch ein Konzertgitarren-Sound, der überraschend echt klingt, insbesondere, wenn man den Chor- oder Streicher-Padsound hinzumischt.

Sechs Orgel-Typen sind anwählbar. Drei davon sind im Zugriegelorgelstil à la Hammond gehalten, wahlweise mit Leslie-Effekt oder percussivem Anschlag. SIe sind insgesamt zwar sehr wuchtig, aber nicht der ultimative Traum jedes Orgel-
spielers, zumal auch hier, wie oben schon erwähnt, die Anschlagdynamik aktiv ist. Die drei Kirchelorgel-Typen sind wieder überzeugender. Die erste davon klingt sehr räumlich und volltönend, weil pro Ton drei Samples gleichzeitig arbeiten. Die beiden anderen Sounds sind kleineren Kapellenorgeln nachempfunden.

Die drei Streicher- und die drei Chorklänge sind in der Qualität stark schwankend. Die Pad-Sounds beider Sparten sind wunderhübsch und ergeben mit dem Klavier-
sound oder anderen Instrumenten sehr schöne Kombinationen. Die anderen vier Klänge sind eher schwach. Ein Streichersound mit schnellem Attack ist nur in Mono gehalten und klingt dadurch sehr steril. In Stereo wäre das ein ziemlich guter Sound geworden. Die langsam anschwillenden Stereo-Streicher sind okay, aber nicht fantastisch, genauso wie der Stereo-Chor. Dort war definitiv Potential für bessere Sounds vorhanden gewesen, aber nicht genutzt worden. Der zweite Chor-
Sound ist total verrückt. Zu diesem "Doo"-Sample hege ich eine Hassliebe, denn wirklich nutzbar ist der Klang nicht, aber er macht hin und wieder einfach Spaß.

Insgesamt bin ich aber mit dem Klang des SP-200 sehr zufrieden. Die Polyphonie lässt eher zu wünschen übrig. Bei den hübschen Stereo-Sounds halbiert sich die angepriesene 60-fache Polyphonie direkt auf lediglich 30. Nutzt man zwei Stereo-Sounds im Layer-Modus gleichzeitig, erklingen maximal 15 Töne gleichzeitig. Das ist heutzutage natürlich etwas dürftig, aber hier muss man wiederum das Erschei-
nungsjahr und den günstigen Endverbraucherpreis bedenken.

A propos Layer Modus: eine fantastische Option, die kaum ein anderer Hersteller in dieser und selbst höheren Preisklassen anbietet, ist, dass man das Lautstärke-
verhältnis der zwei übereinandergelegten Klänge angleichen kann. Ist das Piano im Zusammenklang mit dem Chor zu leise? Dann regelt man das ganz einfach lauter! Sehr gut gemacht, Firma KORG! Ein wenig schade ist die Tatsache, dass kein Split-Modus an Bord ist, aber auch hier verweise ich ebenfalls auf den Preis.

Woran aber trotz des Preises nicht gespart wurde, das ist die Verarbeitung. Das SP-200 ist stabil wie ein Panzer! Bis auf eine stabile Holzunterseite ist das ganze Gehäuse aus Metall. Gepaart mit der guten und aufwändigen Tastatur kommt man da zwar schnell auf ein Gewicht von 17,5 kg, aber dafür ist das Piano mega-robust!

Fazit: Das SP-200 ist ein günstiges und stark empfehlenswertes Klavier für die Bühne, fürs Studio oder das Wohnzimmer. Die Tastatur hat ein gutes Feeling und der Klang ist auch heute noch immer sehr überzeugend. Ich sehe bislang keinen Grund, warum ich mich von meinem Exemplar trennen sollte!


+ 88 hammergewichtete Tasten
+ 30 überwiegend gute Sounds
+ kompakte und sehr stabile Bauweise
+ in Italien hergestellt
+ Lautstärke der Sounds im Layer-Modus separat regulierbar
lediglich 30-fache Polyphonie bei Stereo-Sounds
Hall- und Chorus-Einstellungen können nicht gespeichert werden
Deaktivierung der Anschlagdynamik nicht möglich
kein Split-Modus






KORG
SP-200

Erworben: ???, neu