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Synthesizer > Korg 800DV
Der KORG 800DV (auch MaxiKorg genannt) gehört zur allerersten KORG
Synthesizer-Generation und wurde 1975 auf den Markt gebracht. Grundsätzlich
kann man den 800DV als zwei KORG 700S (Nachfolgemodell des ersten KORG Synthesizers,
MiniKorg 700) in einem Gehäuse betrachten.
Er ist schon sehr außergewöhnlich aufgebaut, der 800DV; beinahe
alles ist doppelt vorhanden. Da sind zunächst die zwei äußerst
stimmstabilen VCOs mit Sub-
Oszillator, die mit Fußlagen von 64' bis 2', bzw. 32' bis 2' arbeiten.
Nimmt man den Bender hinzu, geht es sogar hoch bis 1'. Die Wellenformen
beinhalten Dreieck, Sägezahn, Rechteck, Pulse (leider nur mit einem
festen Wert - der klingt jedoch super!) und Chorus, was nichts anderes als
Pulsweiten-Modulation ist (Rate und Tiefe mit den Vibrato-Fadern einstellbar).
Beide VCOs lassen sich separat mit jeweils zwei Reglern stimmen. Ein Regler
übernimmt das Feintuning, der andere ermöglich eine Verstimmung
um ca. eine Quinte nach oben oder unten, was sich unter anderem in äußerst
vielen Klangvarianten mit den Ringmodulatoren auswirkt.
Zwei Tiefpass- und zwei Hochpassfilter sind mit speziellen ineinandergreifenden
Faderkappen auch in der Lage, als Bandpassfilter zu funktionieren. Wunderbarer
Sound! Ich kenne kein schöneres Filter. Genauso schön sind die
Rauschgenera-toren. Weißes Rauschen fernab jeglicher Frequenzabdämpfung
ist nun nicht weiter spektakulär, da hinreichend bekannt. Das rosa
Rauschen jedoch beeindruckt durch seinen angenehm weichen Klang und klingt
im Zusammenspiel mit melodiösen Sounds unaufdringlich. Zwei Ringmodulatoren
sind an Bord und bieten schier endlose Soundkreationen.
Zwei separate Hüllkurven ermöglichen vielseitige Klangkaskaden.
Sie sind noch nicht im ADSR-Schema aufgebaut, wie bei nachfolgenden KORG
Synthesizern, aber Attack, Decay und Release sind vorhanden. Wenngleich
auch Decay nicht als solches bezeichnet wird, sondern ein Fader wandert
zwischen "Percussion" und "Singing" hin und her. Release
wird hier Sustain genannt und der Schalter hierfür kann auch auf "Hold"
gestellt werden, was bei höchster Decay-Einstellung in einem Dauerton
resultiert. Beide Oszillatoren haben eine Vibrato-Sektion, einen Bender,
der die Tonhöhe um eine Oktave nach oben oder unten verbiegt (mit einstellbarem
Verzögerungs- und Geschwindigkeitswert) und Portamento. Die VCOs sind
mit zwei Fadern getrennt in der Endlautstärke regelbar. Ebenfalls doppelt
vorhanden: Effekt-Einschleifwege für beide Oszillatoren.
Ein nützliches, zuweilen verrücktes Feature, ist die Repeat-Funktion.
Damit kann man in einstellbaren Intervallen die Oszillatoren zum Klingen
bringen. Beide gleichzeitig oder jeweils getrennt oder den einen permanent
und den anderen abgehackt darüber. Zunächst als Schnickschnack
abgetan, habe ich nach längerer Benutzung die Vorteile des Repeaters
erkannt. Der 800DV verfügt nicht über einen klassischen LFO, der
wilde, pulsierende Sounds erzeugt, wie ein MS-10
und dergleichen, sondern nur über ein treffend bezeichnetes Vibrato,
das nur leichtes Wimmern zulässt. Mit dem Repeater jedoch kann man
diese Klänge trotzdem erzielen. Hierbei muss man aber trickreich den
Bender zuhilfe nehmen und schon erhält man die herrlichsten SciFi-Klänge
und sirenenartige Sounds.
Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich aber doch. Mir fehlt zum Beispiel
ein Kopf-
hörer-Ausgang; man kann den Synthesizer leider nicht solo ohne Mischpult
oder dergleichen betreiben. Außerdem wäre eine Regelmöglichkeit
der Pulsweite sehr nützlich gewesen, genauso wie ein Drehregler für
die Filter-Resonanz statt des Schalters mit lediglich drei Voreinstellungen,
denn dann wäre der Synthesizer zur Selbstoszillation in der Lage. Letzteres
könnte man "modden", aber den 800DV zu verstümmeln fällt
mir nicht im Traum ein! Äußerst schade ist, dass es zwar vier
Tracking-Methoden zur Auswahl gibt, jedoch ist ein rein monophones Tracking
für beide Oszillatoren gleichzeitig nicht wählbar. Es bleibt stets
duophon, wenn man mehrere Tasten drückt. Doch alle meine Kritikpunkte
werden hinfällig, wenn man noch mal das Produktionsdatum beachtet:
1975! Das wäre ja schlichtweg unheimlich, wäre ein Synthesizer
aus der Anfangszeit rundum perfekt.
Fazit: Der KORG 800DV ist einfach nur fantastisch! Mit seinem kräftigen
Klang, dem exzellenten "Traveler"-Filter und den Ringmodulatoren
besitzt der Synthesizer eine unglaubliche Flexibilität, wie ich sie
von keinem anderen Synthesizer dieser Ära kenne. Er verfügt über
eine riesige Sound-Palette, die mich immer wieder aufs Neue verblüfft
und begeistert. Darüber hinaus ist er äußerst robust gefertigt
und sieht wunderschön aus. Kurzum: er ist mein absoluter Lieblings-Synthesizer!
+ Duophonie
+ 2 VCOs mit Sub-Oszillator
+ je 2 Hoch- und Tiefpassfilter (Traveler)
+ 2 Ringmodulatoren
+ weißes und rosa Rauschen
+ äußerst stimmstabil
+ separate Ausgänge der beiden VCOs
+ vielseitige Repeat-Funktion
+ Effekt-Einschleifwege
– kein rein monophoner Tracking-Modus für
beide VCOs
– nur 3 feste Voreinstellungen für Filter-Resonanz
– Pulse-Weite nicht manuell regelbar
– kein Kopfhörer-Ausgang