> Start > Equipment > Synthesizer > Korg M1 EX

Der KORG M1, die weltweit erste Workstation und ein Meilenstein in der Musik-
geschichte, gehört zu den meistverkauften Synthesizern aller Zeiten und wurde in den ausklingenden 80er Jahren und bis weit in die 90er Jahre hinein exzessiv im Studio und auf der Bühne eingesetzt. Die Werk-Sounds wurden seinerzeit übermäßig viel gebraucht, allen voran der Piano-Sound, der für viele House- und Dance-Produktionen herhalten musste. Dieses "overusing" führte dazu, dass der M1 heutzutage bei Synth-Freaks nicht mehr den allerbesten Ruf genießt.

Zu Unrecht, wie ich finde, denn man kann durch selbstständiges Programmieren äußerst schöne Sounds aus diesem Instrument rausholen. Mit den 100 PCM-Wellenformen und den weiteren Schlagzeug-Klängen des M1 kann man schon ordentlich arbeiten. Wem das damals nicht ausreichte, der konnte Kartensätze mit Programm- und PCM-Karten kaufen, um ganz neue Klänge zu kreieren. Darüber hinaus kam dann ein paar Jahre später auch ein erweiterter M1 auf den Markt, der alle PCM-Klänge des T3 (quasi ein M1 mit Diskettenlaufwerk) an Bord hatte: der M1 EX. Ein solches Exemplar habe ich und es macht mit der beinahe doppelten Wellenform-Anzahl noch mal um einiges mehr Spaß.

Das absolut besondere dieses Geräts war damals, dass ein 8-Spur-Sequenzer, sowie ein Multi-Effektgerät im gleichen Gehäuse untergebracht wurden. Der Begriff "Workstation" wurde geprägt und dieses Konzept gilt bis heute. Den Sequenzer brauche ich persönlich nicht, da ich sowieso größtenteils alles per Hand spiele. Aber die Effekte setze ich sehr gerne ein. Sie haben auch heute noch eine gute Qualität. Hall, Echo, Chorus, Flanger, Phaser... alles drin, was man so braucht. Und die Sounds werden dadurch um so dicker und lebendiger und nicht zuletzt dieses führte damals zu dem riesigen Erfolg der Firma KORG.

Das vielfach kritisierte Fehlen jeglicher Resonanz in der Filter-Sektion schränkt zwar die Kreativität etwas ein, aber im Jahre 1988 existierten noch keine digitalen Filter mit Resonanz. Selbst die nächste Workstation-Generation (KORG 01/W) enthielt nur eine Simulation des Resonanzverhaltens, das sogenannte "Wave Shaping".

Was ich jedoch zu bemängeln habe, ist, dass die Geschwindigkeit der Leslie-Simulation ausschließlich per Fußpedal gesteuert werden kann. Es ist schade, dass es im Effektmenü nicht möglich ist, zwischen langsam und schnell umzu-
schalten und bei Bedarf die schnelle Variante zu speichern, die Rotary Orgel-Sounds sind bei Abruf stets auf langsam getrimmt. Schön wäre es gewesen, wenn das Umschalten per Aftertouch oder mit dem Joystick implementiert worden wäre.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass es zwar einen Mono-Modus gibt, jedoch kein Portamento. Das ist zwar einerseits ärgerlich, da es doch eigentlich schon vorher digitale KORG Synthesizer mit Portamento gab. Aber man muss dabei bedenken, dass die älteren Modelle, wie der DW-8000 oder der DS-8 über andere Arten der Klangerzeugung verfügten (DWGS, bzw. FM-Synthese), bei denen ein nahtloser Übergang von einer Note zur anderen besser zu ermöglichen war, als beim M1, bei dem auf der Tastatur verteilt unterschiedliche PCM-Samples vorliegen, welche bei einer eventuellen Portamento-Funktion nacheinander abgerufen werden müssten. Ich weiß nicht, ob es furchtbar kompliziert gewesen wäre, diese Übergänge zu programmieren, doch wahrscheinlich hätte es auch einfach nur übel geklungen.

Fazit: Insgesamt halte ich den KORG M1(EX) für ein gutes Arbeitstier. Die Sounds sind überwiegend hübsch und vielfach überzeugend. Natürlich sind neue Gene-
rationen der Workstation sowohl klanglich als auch technisch klar überlegen, jedoch hat der M1 seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter. Einen guten!


+ 16-fache Polyphonie
+ 8-fache Multitimbralität
+ 8-Spur Sequenzer
+ Multi-Effekt-Sektion
+ Anschlagdynamik und Aftertouch
+ Klangerweiterung mit PCM-Karten
keine Portamento-Funktion
"Rotary"-Effekt ausschließlich per Expression-Pedal steuerbar
Filter ohne Resonanz (siehe oben)






KORG
M1 EX

Erworben: Januar 2009, gebraucht


KORG
M1

Erworben: November 2007, gebraucht

Verkauft: April 2009